Kenny Verhoene bleibt

Nach dem 2:1 Sieg in Luckenwalde

Es war eine schwierige Ausgangssituation. 18 Spieltage gespielt und es stand Platz 17 (von 20) zu Buche. 13 Punkte konnten bislang geholt werden und die Verfolger hatten nur 1 bis 2 Punkte weniger. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht zu 100 % klar, dass der NOFV die Liga verkleinern würde und es bis zu fünf Absteiger geben würde.

 

Kenny Verhoene: Wie inzwischen jeder weiß, machte ein Zusammentreffen von Umständen im letzten Sommer einen kompletten Neuanfang erforderlich. Dies hat dafür gesorgt, dass erst sehr spät mit der Zusammenstellung einer (fast) komplett neuen und zudem sehr jungen Mannschaft begonnen werden konnte. Als der Verein im November mit mir Kontakt aufnahm, habe ich eine Analyse der Mannschaft vorgenommen und mir ist aufgefallen, dass sehr viel individuelle Qualität vorhanden ist. Aber da das Team völlig neu war, wusste ich, dass es Zeit brauchen würde, um Ergebnisse zu erzielen. Der Aufbau eines erfolgreichen Teams braucht nun mal Zeit. 

Im Spiel gegen Tennis Borussia Berlin

Da trat Kenny Verhoene nun an – diese schwierige Aufgabe zu übernehmen und musste bis zum 1. Advent (28.11.2021) auf sein 1. Spiel warten. Dort ging es nach Jena, um die Hinrunde abzuschließen und man verlor mit 4:1. Es folgten neun sieglose Spiele (drei Unentschieden) – doch die letzten beiden Unentschieden (Cottbus und Meuselwitz) machten Mut. Natürlich war es schmerzlich, dass bei den direkten Konkurrenten nicht gepunktet werden konnte, doch es schien ein Bann gebrochen und unsere Mannschaft kämpfte. 

Kenny Verhoene: Um erfolgreiche Teams zu entwickeln, gibt es zunächst einige klare Punkte, die angesprochen und erarbeitet werden müssen. Dinge wie gemeinsame Ziele, gemeinsame Werte, offene Kommunikation, Akzeptanz, persönliche Entwicklung, Spaß an der Arbeit usw. sind nur einige davon. Und ja, sie laufen parallel zu dem, was auf dem Spielfeld im Training und in den Spielen passiert, aber sie sind die wichtigsten Elemente.

Es kommt auch darauf an, wie man die Dinge sieht. Als kleines Beispiel kann ich sagen, dass „ein Spiel gewinnen“ für mich kein Ziel ist, sondern nur ein Ausgangspunkt, den man erreicht, wenn man im Spiel die richtigen Dinge tut. Ziel ist es also, dass jeder Einzelne nicht nur weiß, was von ihm erwartet wird, sondern auch seine Aufgaben genau kennt. Dass er versteht, warum wir dies von ihm verlangen. 

Ausgleichstreffer gegen den BFC Dynamo

Aus den folgenden zehn Spielen konnten fünf Siege und zwei Unentschieden geholt werden. Wieder war es einmal die direkte Konkurrenz, wo Punkte gelassen werden mussten. Zu Hause gegen Halberstadt und auswärts gegen Rathenow wären wichtige Punkte gewesen, doch auch mit Punkten gegen BFC Dynamo, Babelsberg oder Luckenwalde hat nicht jeder gerechnet.

Mit etwas Wehmut war nach dem Sieg am letzten Spieltag klar, dass auch Viktoria Berlin absteigt und somit sind wir mit Platz 17 (von 20) auch abgestiegen. Die um zwei bessere Tordifferenz von FC Eilenburg, ließ diese noch auf den Aufstieg des BFC hoffen, um in der Regionalliga zu verbleiben. Dies ist nun auch nicht geschehen und somit gibt es fünf Absteiger. Das vor der Saison, durch die finanziellen Einbußen, eine schwierige Saison prognostiziert wurde und auch Gedanken über einen Rückzug in eine untere Liga bedacht wurden, schimmert jetzt Hoffnung am Horizont unserer Stadt an der Spree.

Kenny Verhoene: Als Trainer sehe ich es als meine Aufgabe an, die Dinge ständig zu analysieren und nicht zu interpretieren, die Dinge immer ins rechte Licht zu rücken. Ein Abstieg oder ein Titel kommen nicht aus heiterem Himmel und werden nicht in einem einzigen Spiel entschieden. Es gibt immer Folgen und Ursachen, die dazu führen, dass die Dinge so laufen, wie sie laufen. Für mich selbst bedeutet das, dass ich mich nicht mit kurzfristigen Rückschlägen beschäftige, sondern mit langfristigen und kontinuierlichen Überlegungen, wie wir Dinge verändern können, um langfristig erfolgreicher zu werden.

Mein Gefühl nach dem Spiel war daher doppelt. Kurz nach dem Spiel war ich enttäuscht, dass wir unser Hauptziel, den Klassenerhalt, nicht erreicht haben, aber auch stolz, dass wir gegen eine der Top-Mannschaften der Liga und mit gutem Fußball gewonnen haben.

Aber das vorherrschende Gefühl etwas länger nach dem Schlusspfiff war das des absoluten Stolzes. Stolz darauf, wie sich die Mannschaft in den letzten Monaten präsentiert hat, wie sich jeder einzelne Spieler weiterentwickelt hat und wie sich auch die Stimmung untereinander und in der Mannschaft sehr positiv entwickelt hat.
Darüber hinaus hat mich die Art und Weise, wie die Fans uns nach dem Spiel ihre Anerkennung gezeigt haben, sehr berührt. Der Applaus und die persönlichen Gespräche und Nachrichten, die viele von uns erhalten haben, sind der ultimative Beweis dafür, dass wir es als Mannschaft geschafft haben, den Menschen eine Art von Fußball zu präsentieren, für die sie wirklich gerne ins Stadion kommen und mit der sie sich identifizieren können.
Ich persönlich bin der Meinung, das ist eine der wichtigsten Aufgaben, die wir als Mannschaft oder als Trainer gegenüber unserem Verein und seinen Fans haben, und deshalb bin ich für diesen Moment sehr dankbar.

Ein Trainer, der mit jungen Spielern arbeiten kann und in einer Situation, welche aussichtslos schien, die Spieler motivieren konnte, alles zu geben. Dieser Grundstein ist gelegt, um die Struktur und das Fundament für eine nachhaltige Mannschaft zu formen. Es waren einige Gespräche nötig und Ingo Wunderlich konnte am Ende doch überzeugen.

Ingo Wunderlich: Kenny hat der Mannschaft in den letzten Monaten viel Stabilität gegeben und sie zu einer schlagkräftigen Regionalliga Mannschaft geformt.
Für die kurz und langfristigen Ziele des Vereins und die Neuausrichtung in der Oberliga stellt er das Grundgerüst dar. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und hoffe, wir können zusammen viele Dinge bewegen und die Mannschaft und den Verein voranbringen. 

Kenny Verhoene:Den FSV Union Fürstenwalde habe ich in den letzten Monaten besser kennengelernt und glaube, dass alles vorhanden ist, was nötig ist, um die Vision des Vereins umzusetzen, nämlich jungen Spielern die Möglichkeit zu geben, sich weiterzuentwickeln und gemeinsam mit dem Verein Schritte in Richtung höheres Niveau zu machen.
Den Willen, darauf hinzuarbeiten, aber auch das Bewusstsein, dass parallel dazu ein klarer und detaillierter Plan für die Zukunft erarbeitet und auch umgesetzt werden muss, habe ich in den intensiven und offenen Gesprächen mit den Verantwortlichen des Vereins, aber auch mit Trainerkollegen aus dem NLZ deutlich gespürt. Das war für mich bei meiner Entscheidung sehr wichtig. Jetzt geht es darum, dass jeder tatsächlich Verantwortung übernimmt, proaktiv zusammenarbeitet und dafür sorgt, dass wir dem gemeinsamen Ziel näher kommen. Ich bin sehr dankbar, das Vertrauen zu bekommen, dabei eine Rolle spielen zu dürfen und sehe der Zukunft mit großer Begeisterung entgegen.

 

Jetzt gilt es, zusammen unseren Verein zur „Mission Wiederaufstieg“ zu unterstützen.